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20. Februar 2011 / piadriessen

Ein Anliegen

Dieser Beitrag ist mir schon länger ein Anliegen und heute will ich ihn einfach mal Schreiben.

Handwerk bzw. Handarbeit kostet was. In der Regel mehr, als maschinell hergestellte Massenwaren. Handarbeit bedeutet aber auch, dass jedes Stück, ob nun mehrfach genäht oder nicht, ein Unikat ist. Keine Naht sitzt wie die andere und ja, Handarbeit ist in der Regel auch nicht perfekt.

Es gibt Menschen, die von vorne herein das maschinell hergestellte Produkt bevorzugen. Weil sie günstiger sind, weil alle Nähte gerade sitzen, weil weil weil.

Und es gibt die Sorte Menschen, die Handgearbeitete Dinge bevorzugen, weil sie eben Unikate sind, individuell, weil mit Herzblut daran gearbeitet wurde, weil weil weil.

Jeder hat so seine Gründe warum er sich für das eine oder das andere entscheidet.

Schlimm finde ich allerdings, wenn mir jemand, der grundsätzlich die Massenware bevorzugt, erklärt, meine Sachen wären ihm viel zu teuer. Das sähe er ja gar nicht ein. [Pause]. Aber wenn er Geburtstag hätte könne ich ihm ja Produkt XYZ schenken.

Diese Szene ist schon eine ganze Weile her, aber sie kocht immer mal wieder in mir hoch. Weil es so unglaublich unverschämt ist.

All meine handgenähten Dinge habe ich mit Liebe genäht. Ich habe Zeit investiert, mir in die Finger gestochen oder geschnitten, ich habe Nähte aufgetrennt, geflucht, Stoff verschnitten, ich habe auch sicher mal alles weggeworfen und neu angefangen. Ich habe mir Mühe gegeben. Immer. Ich habe mich über dieses Gefühl von Stolz gefreut, wenn ein neues Teil fertig war. Und dieses Teil soll ich dann einem Menschen schenken, der nicht mal im Ansatz den Wert erkennt? Dem es im Grunde egal ist und der das Selbstgenähte noch als billiges Geschenk ansieht, weil ich selber nichts dafür ausgegebene habe (mal abgesehen von den Materialkosten).

Nein! Nein, auch wenn Du an Weihnachten Geburtstag hättest. Dir schenke ich sicher keine meiner handgearbeiteten Stücke.

Ähnliches Thema ist die Wertschätzung der Arbeit von Kollegen. Ich kaufe häufig wunderschöne Dinge bei Dawanda, obwohl ich sie mir selber nähen könnte. Material und Fertigkeit sind ja vorhanden. Aber jemand anders hat sich bereits diese Arbeit gemacht, Liebe und Herzblut hinein gesteckt, ein Produkt entwickelt und genäht.

Ich wurde schon fünf Mal nach den genauen Abmaßen des DaddelDoos gefragt. Und sogar noch häufiger nach dem Schnittmuster der Smoos. Und nach einigem Grübel habe ich für mich entschlossen, dass ich diese Informationen und Daten nicht herausgeben möchte. Nicht für Dinge, die ich wirklich in mühevoller Kleinarbeit an vielen Abenden ausgetüftelt und optimiert habe. Es sind meine Babys. Beide. Und daher möchte ich nicht, dass man sie so arglos nach näht. Ein Smoo ist mein Kind.

Grundsätzlich gilt für die von mir entworfenen Stücke, dass sie nicht zum Verkauf nachgenäht werden dürfen und nachgenähte Objekte für den eigenen Gebrauch nicht bildlich im Internet veröffentlicht werden dürfen.

Dinge wie Mutterpass-, U-Heft-, Buch- oder Kalenderhüllen sind davon natürlich ausgenommen. Es geht mir wirklich ausschließlich um die von mir entworfenen Dinge.

Ich hoffe sehr, dass dieser Beitrag bei meinen Lesern, Kollegen und Kunden auf Verständnis trifft. Er war mir wirklich ein Anliegen.